Warum entsteht eine Gürtelrose?

Gürtelrose ist eine schmerzhafte und oft unterschätzte Nervenerkrankung. Ausgelöst wird sie vom Varizella-Zoster-Virus, das fast alle Erwachsenen durch eine frühere Windpocken-Infektion noch in sich tragen. Aber wie entsteht eine Gürtelrose – und was genau hat das Immunsystem damit zu tun?

Versteckspiel im Körper: Der Trick der Gürtelrose

Ursache & Auslöser: Das passiert im Körper

Warum das Immunsystem so wichtig ist

Das Immunsystem schützt uns vor Krankheitserregern. Bei einer Erstinfektion erkennt es den Erreger und bildet sogenannte Gedächtniszellen. Diese zirkulieren oft jahrelang im Körper und sorgen dafür, dass wir bei einer erneuten Infektion schneller geschützt sind.1

 

Ist das Immunsystem geschwächt, steigt auf natürliche Weise das Risiko, an Gürtelrose zu erkranken.2

Zu den Risikofaktoren
Wer macht was? Die wichtigsten Immunzellen:
Virus illustriert.
Dendritische Zellen:
Sie sind ständig im Körper unterwegs und halten Ausschau nach Krankheitserregern. Wenn sie etwas Verdächtiges entdecken, geben sie das Startsignal für die Abwehrreaktion.1
Virus illustriert.
T-Gedächtniszellen:
Sie merken sich Krankheitserreger und reagieren bei einer erneuten Begegnung schnell. Im Alter oder bei einem geschwächten Immunsystem lässt ihre Funktion nach.1,3
Virus illustriert.
B-Gedächtniszellen:
Sie wissen, welche Antikörper gebraucht werden, und können diese rasch bereitstellen. 1

Im zeitlichen Verlauf: von Windpocken zu Gürtelrose

Illustration von Kind mit Fieberthermometer und Viren, umgeben von Ärzten.

Erstinfektion mit Windpocken (meist in der Kindheit)

Das Varizella-Zoster-Virus gelangt beim ersten Kontakt in den Körper und verursacht die typischen Windpocken.4

 

Rückzug des Virus in Nervenzellen

Nach Abklingen der Windpocken kann das Varizella-Zoster-Virus vom Immunsystem nicht komplett aus dem Körper entfernt werden und „versteckt“ sich in den Nervenknoten am Rückenmark (sogenannten Spinalganglien) – zum Teil jahrzehntelang.

 

Reaktivierung bei geschwächtem Imm4unsystem

Ist das Immunsystem geschwächt – zum Beispiel durch Alter, Stress oder Erkrankungen – kann das Virus wieder aktiv werden. Es nutzt die Chance, verlässt die Nervenzellen und breitet sich rasant aus.3

 

Ausbruch der Gürtelrose

Das Virus wandert entlang der Nervenfasern zur Haut und verursacht die typischen Symptome: einen schmerzhaften, meist einseitigen Hautausschlag und starke Nervenschmerzen.2 Etwa 30 % der Betroffenen leiden unter langfristigen Komplikationen, wie zum Beispiel langanhaltende Nervenschmerzen (Post-Zoster-Neuralgie).2

Illustration von Gürtelrose-Ausschlag

Wie häufig ist Gürtelrose?

Über 95 % der Erwachsenen tragen das Varizella-Zoster-Virus nach einer Windpocken-Erkrankung - meist in Kindertagen - in sich.5 Bei etwa einem Drittel kommt es im Laufe des Lebens zu einer Reaktivierung und somit zu einer Gürtelrose.6 In Deutschland gibt es zwischen 300.000 und 400.000 Fälle von Herpes Zoster jährlich.7 Das körpereigene Immunsystem spielt eine entscheidende Rolle dabei, der Reaktivierung entgegenzuwirken.2

Frau füllt Online-Test aus.
Selbsttest:
Wie hoch ist mein Gürtelrose-Risiko?
Risiken: Was schwächt das Immunsystem?
Ältere Frau hält Gehstock.
Alter:
Mit zunehmendem Alter arbeitet das Immunsystem langsamer, das Risiko für Gürtelrose steigt.2, 3
Frau mit Kopfschmerzen.
Andauernde Stressbelastung:
Stresshormone wie Cortisol können die Aktivität von Immunzellen verringern. Dauerbelastung und Schlafmangel stören die Regeneration.8
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Chronische Krankheiten:
Chronische Erkrankungen halten das Immunsystem in dauerhafter Alarmbereitschaft und erschöpfen die Abwehrzellen. Manche Medikamente (z. B. Kortison, Immunsuppressiva) schwächen zusätzlich das Immunsystem.3, 9

Lassen Sie sich bei Unsicherheiten ärztlich beraten und achten Sie auf Warnsignale Ihres Körpers. So können Sie Ihr Risiko für Gürtelrose besser einschätzen und rechtzeitig handeln.

Mann füllt Checkliste aus.
Arztgespräch:
Jetzt auf das Arztgespräch vorbereiten.

Gürtelrose vorbeugen

Gürtelrose kann ganzjährig auftreten, da sie nicht durch eine erneute Ansteckung entsteht, sondern wie oben beschrieben durch eine Reaktivierung des Varizella-Zoster-Virus, welches sich bereits im Körper befindet.2 Die Stärkung des Immunsystems ist wichtig, liegt aber nur bedingt in der eigenen Hand. Faktoren wie Alter oder bestimmte Erkrankungen lassen sich nicht beeinflussen.

 

Was Sie selbst tun können:10, 11

  • Ausreichend Schlaf
  • Stressreduktion
  • Gesunde, vitaminreiche Ernährung
  • Regelmäßige Bewegung
  • Verzicht auf Nikotin und Alkohol

Fakt ist jedoch: Mit zunehmendem Alter oder zunehmenden Risikofaktoren wird Ihr Immunsystem schwächer.2 Wer beispielsweise merkt, dass Infektionen häufiger auftreten oder die Erholungsphasen länger dauern, sollte sich ärztlich beraten lassen. Solche Signale können ein Hinweis auf eine nachlassende Abwehrleistung sein – und damit auf ein erhöhtes Risiko für Gürtelrose.

Quellen
Arrow
  1. Chaplin DD. Overview of the immune response. J Allergy Clin Immunol 2010. doi:10.1016/j.jaci.2009.12.980
  2. Gross GE et al. [S2k guideline for the diagnosis and therapy of zoster and post-zoster neuralgia]. GMS Infect Dis 2020. doi:10.3205/id000045
  3. Müller C et al. Herpes-zoster-Update – was gibt es Neues? Akt Dermatol 2021.
  4. Kennedy PGE et al. Clinical Features of Varicella-Zoster Virus Infection. Viruses 2018. doi:10.3390/v10110609
  5. Wutzler P et al. Seroprevalence of varicella-zoster virus in the German population. Vaccine 2001. doi:10.1016/s0264-410x(01)00276-6
  6. Hillebrand K et al. Incidence of herpes zoster and its complications in Germany, 2005-2009. J Infect 2015. doi:10.1016/j.jinf.2014.08.018
  7. Robert Koch-Institut. STIKO: Erweiterung der Herpes-zoster-Indikationsimpfempfehlung für Personen ≥ 18 Jahre mit erhöhtem Erkrankungsrisiko. Epidemiologisches Bulletin 2025.
  8. Irwin MR. Sleep disruption induces activation of inflammation and heightens risk for infectious disease: Role of impairments in thermoregulation and elevated ambient temperature. Temperature (Austin) 2023. doi:10.1080/23328940.2022.2109932
  9. Gao Z et al. T-cell exhaustion in immune-mediated inflammatory diseases: New implications for immunotherapy. Front Immunol 2022. doi:10.3389/fimmu.2022.977394
  10. Singh DN et al. Common foods for boosting human immunity: A review. Food Sci Nutr 2023. doi:10.1002/fsn3.3628
  11. Merlo A et al. An evening of alcohol consumption negatively impacts next-day immune fitness in both hangover-sensitive drinkers and hangover-resistant drinkers. Addict Behav 2023. doi:10.1016/j.addbeh.2023.107776
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NP-DE-GVU-WCNT-250033, Jan26